Brügge

Persiuskirche in Brügge saniert

Die Kirche von Brügge schient schon dem Verfall preisgegeben. Jetzt ist sie wieder ein Schmuckstück. Ganz Brügge feierte den Abschluss der Sanierung des Erstlingswerks von Kirchenbaumeister Persius.

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Mit einem Festgottesdienst wurde der Abschluss der Sanierung gefeiert.
Quelle: Jens Wegner

Brügge Mit dem Festgottesdienst „Gezeichnet und gesegnet” wurde am Sonntag, am Tag des offenen Denkmals, der Abschluss der Sanierungsarbeiten an der Persiuskirche in Brügge gefeiert.

„Vor 20 Jahren schien es aussichtslos, den Verfall der Kirche zu stoppen. Vor zehn Jahren haben wir neue Fenster eingebaut. Nun ist sie fast vollständig fertig”, resümierte der Vorsitzende des Fördervereins Persiuskirche Brügge, Georg Zander.

Teeküche, Toilette, Altar, Taufstein - alles könne nun genutzt werden. Er dankte allen, die die Arbeiten mitgetragen haben. Die Handwerker waren aus der Region. Auch sie hätten Anteil an Restauration – nicht zu vergessen, die vielen Spender. „Widerstände von innen und außen mussten überwunden werden. Wir haben ein volles Haus. Veranstaltungen werden gut besucht”, freute er sich.

„Es gibt aber auch den klassischen Gottesdienst mit nur vier Teilnehmern”, bedauerte er. Die Orgel befindet sich noch in einem desaströsen Zustand, so Zander. „Der Denkmalschutz hat uns mitgeteilt, dass die Heerwagen-Orgel ein Original ist. Die darf nicht einfach weggenommen werden.”

130 000 Euro hat die Sanierung gekostet

Die Kosten für die Sanierung bezifferte er auf rund 100 000 bis 130 000 Euro. Mindestens. Herbert Brügge aus Osnabrück organisierte für die Gemeinde eine elektronische Orgel, die in der dortigen Altenpflege genutzt und durch eine neue ersetzt wurde. „Das ist eine Übergangslösung. Ich kämpfe dafür, dass die Heerwagen-Orgel saniert wird”, so der Organist.

Vom mehrere Zentimeter dicken Dreck ist sie bereits befreit. „Ein original Kronleuchter war verschwunden. Er ist wieder aufgetaucht. Den lassen wir gerade restaurieren”, berichtete Zander weiter.

In der Kirche gibt es zwei Glocken aus Stahl und eine Glocke aus Bronze. Letztere hat einen Riss. Sie muss geschweißt werden. „Das allein wird noch mal 8000 bis 10000 Euro kosten”, schätzte Zander. Im ersten Bauabschnitt, in den Jahren 2014 und 2015, wurde die Außenhülle mit Fassade und Dach saniert. Das kostete rund 260 000 Euro. Der Förderverein erhielt 2015 den Brandenburgischen Denkmalpflegepreis.

Kanzel, Altar und Taufstein mit Fördermitteln restauriert

Aus dem Leader-Programm konnten weitere Fördermitten akquiriert werden, so dass zuletzt die Kirche innen saniert werden konnte. Dazu gehören unter anderem die Kanzel, der Altar, der Taufstein und die Elektroinstallation.

Vier bis fünf Veranstaltungen pro Jahr finden in der Kirche statt. „Dazu gehört das Adventssingen und Kinoveranstaltungen. Auch einen irischen Abend hatten wir schon und zwei bis drei Hochzeiten pro Jahr. Mehr können wir als Verein nicht stemmen”, so Zander.

Die Sanierung der Kanzel stellte den Verein vor besondere Herausforderungen. „Vier oder fünf Figuren fehlten komplett. Die restlichen hatten keine Köpfe mehr. Das meiste musste komplett neu angefertigt werden”, erinnerte sich Georg Zander.

„Von der Landeskirche wurde uns nahegelegt, die Kirche als offene Ruine stehen zu lassen. Doch der Wille der Bürger war sehr stark. Brügge ist ein Runddorf und alle schauen auf die Kirche”, berichtete der Förderverein-Vorsitzende.

Viel Geld in Steine gesteckt – jetzt geht es um die Menschen

„Wir haben viel Geld in Steine gesteckt. Jetzt wollen wir in die Menschen investieren”, sagte er. Man wolle die Kirche wieder attraktiv machen und auch Jugendliche für die Kirche begeistern. „Es gibt Dorfbewohner, die haben als Kinder die Scheiben der Kirche eingeworfen. Heute sind sie reuig und spenden pro Jahr eine dreistellige Summe”, erzählte Georg Zander.

Generalsuperintendentin Heilgard Asmus aus Potsdam gratulierte der Gemeinde in ihrer Predigt. „Die Sanierung haben Sie fast geschafft. So viel Menschen hatten die Kraft. Vor sieben Jahren feierten wir hier einen Gottesdienst in recht armseligen Rahmen”, erinnerte sie sich.

Nun sei hier ein Zentrum für Gemeinschaft und für Gebete entstanden. Mit Gottesdiensten, Kunst und Kultur werde diese Kirche gefüllt.

Das ganze Dorf feierte gemeinsam

Wie quirlig das sei kann, zeigte sich auch schon am Sonntag nach dem Gottesdienst. Bei Kaffee und Kuchen, Bratwurst und Bier wurde gemeinsam gefeiert. Berthold Berroth, fahrender Sänger mit Wurzeln in Falkenhagen bei Pritzwalk, sang das Shir Hama’alot, nach Psalm 126 auf aramäisch.

Volks- und Liebeslieder zum Mitsingen wurden vom „Stubenchor” und dem Männerchor Meyenburg präsentiert.

Am Schluss gab es ein Konzert mit der Band Fityan aus Berlin. Das Ensemble aus deutschen und syrischen Musikern tourt gerade durch Deutschland und machte Station in der Prignitz. Sie brachten deutsche und syrische Folklore zu Gehör.

Die Persiuskirche Brügge wurde in den Jahren 1864 bis 1866 im Dorfrundling von Brügge erbaut. Sie ist das erste Bauwerk des preußischen Baumeisters und Architekten Reinhold Persius. (1835 bis 1912).

Von Jens Wegner

Märkische Allgemeine vom 10. September 2018

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