SCHON BEIM AUFBAUEN HäTTE AUFFALLEN MüSSEN, DASS DER DACHSTUHL SCHLICHTWEG ZU KLEIN IST.

Baupfusch

Vermessen: Der Dolgeliner Kirchen-Dachstuhl

Ines Weber-Rath

Dolgelin (MOZ) Seit dem Richtfest Anfang Juni ruhen die Arbeiten zur Bedachung der Kirchenruine im Lindendorfer Ortsteil. Hintergrund ist ein Baufehler, über dessen Verschulden sich die Beteiligten streiten: Ausgerechnet der Westgiebel mit den wertvollen Putzritzzeichnungen wird vom Dachstuhl nicht überdeckt. Um eine Lösung wird gerungen.

Es passt nicht: Der Anfang Juni gerichtete neue Dachstuhl der Dolgeliner Kirchenruine überdeckt die Südseite des Westgiebels (r.) mit der mittelalterlichen Putzritzzeichnung nicht.
© Foto: Matthias Lubisch

Am Ende hätten die Dolgeliner bislang alle Probleme mit Blick auf das Vorhaben Kirchensanierung gemeistert, hatte sich Pfarrer Martin Müller beim Richtfest am 1. Juni zuversichtlich gezeigt. Dabei war das Problem zu der Zeit intern bereits bekannt: In einem Abschnitt von drei bis vier Metern überdeckt der neue Dachstuhl den Westgiebel nicht. Ausgerechnet jenen Teil der denkmalgeschützten Kirche mit der seltenen Putzritzzeichnung aus dem 13. Jahrhundert!

„Wir haben nach der Bauzeichnung gearbeitet“, sagt Helmut Franz. Die Baufirma des Lindendorfer Bürgermeisters hatte den Zuschlag für die Bedachung der Kirche erhalten. Sie habe das „mit Abstand günstigste Angebot“ abgegeben, sagt Dolgelins Ortsvorsteher Michael Pfeiffer, der Kassenwart des Fördervereins der Dolgeliner Kirche. Der Verein hat den größten Teil der Finanzierung der Sanierungsarbeiten durch Spenden gesichert. Helmut Franz (66) wollte mit der Arbeit an der Kirche in seinem Heimatdorf seine 50-jährige berufliche Karriere als Bauhandwerker krönen.

Fakt ist: Erst als die am Boden hergestellten Dach-Gebinde per Kran hochgezogen und montiert waren, fiel auf, dass da was nicht passte. Die Architekten einer Hoppegartener Firma zögen sich darauf zurück, dass im Bauvertrag stehe, dass vorm Baubeginn noch einmal nachgemessen werden müsse. „Aber wozu braucht man dann eine Bauzeichnung, für die wir viel Geld bezahlt haben?“, fragt sich nicht nur Pfarrer Müller als Vertreter des Bauherren, der Hoffnungskirchengemeinde Oderbruch-Süd.

Jedenfalls war niemandem rechtzeitig aufgefallen, dass die Neigungen des nach der Wende bereits ausgemauerten Ost- und des noch zu sanierenden Westgiebels – warum auch immer – nicht gleich sind. Wochenlang ist über mögliche Lösungen für das Problem gestritten worden. Den Westgiebel anzupassen, also zu verkleinern, oder ihn mit Kupferblech zu verkleiden, lehnen sowohl die Denkmalbehörde als auch der Bauherr ab. Die Maximalvariante, den Dachstuhl über dem gesamten Kirchenschiff abzunehmen und neu zu stellen, könnte das gesamte Projekt sterben lassen. Denn es wäre mit hohen Mehrkosten verbunden.

Alles sieht jetzt danach aus, als läge die Lösung im so genannten Aufdoppeln der Sparren im kritischen Giebelbereich. Auch wenn das Dach dadurch faktisch schief werde, wie Bauexperten zu bedenken geben.

Der Landkreis hat in den Fall die obere Denkmalschutzbehörde einbezogen. Man werde die Lösung, auf die sich die Beteiligten geeinigt haben, prüfen. Möglicherweise müsse ein Änderungsantrag zur Baugenehmigung gestellt werden, erklärt Kreissprecher Thomas Berendt.

Ob angesichts dessen Michael Pfeiffers Zuversicht, „wir werden das Dach noch in diesem Jahr schließen“ realistisch ist, scheint fraglich. Zumal das monatelang geradezu ideale Dachbau-Wetter sich in Richtung Herbst durchaus ändern kann und die am Bau beteiligten Firmen längst andere Projekte verwirklichen.

MOZ.de vom 08. August 2018

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