Stadtkirche

Nebeneinander wird gegraben, gebaut und gemalt

Gabriele Rataj

Altlandsberg (MOZ) Die Innensanierung der Stadtkirche ist ein weiterer Schritt zum Erhalt des ältesten Bauwerks von Altlandsberg. Auf ein gutes Jahr war der Zeitplan ausgelegt. Neben erfreulichen Entdeckungen durch Archäologen und Restauratoren tragen aber auch Überraschungen zur Bauverzögerung bei.

Unter dem Fußboden: Dieser Blick auf die archäologischen Arbeiten (Mitte l. frei gelegte Gruft und Epitaphien) im Chor bietet sich von der arbeitsbedingt eingezogenen Zwischendecke. Die Rippen des Kreuzgewölbes zeigen vorgefundene Farben.
© Foto: Gerd Markert

Schubkarre um Schubkarre verlässt abgetragener Boden aus dem Chorraum der Stadtkirche das Bauwerk. Die fleißigen Arbeiter, die die Archäologen um Gregor Döhner unterstützen, müssten theoretisch in eine ständige Staubwolke gehüllt sein, doch das hält sich in Grenzen. Aber so manches ist auf dieser Baustelle anders als gedacht und trotz sorgsamer Vorbereitung keineswegs planbar.

„Wir haben ein Riesen-Feuchteproblem“, sagt Manfred Thon, der die Sanierung leitende Architekt, was auch die geringere Staubbelastung erklärt. Schon bei den Arbeiten zur Hüllensanierung des Kirchenschiffs in den Jahren 2008 und 2009 waren Maßnahmen zur Trockenlegung des Baukörpers ergriffen worden. Nässespuren an den Kirchenwänden zeichneten sich überall ab. Im unteren Wandbereich ist seit langem die Putzschicht abgeschlagen, damit das Mauerwerk besser trocknen kann.

Bestens erhalten: Im Chorraum konnte dieses Epitaph freigelegt werden. Nicht nur das Relief, auch die umlaufende Inschrift ist äußerst gut lesbar und weist auf eine edle und tugendsame Frau hin.
© Foto: Gerd Markert
 
Arbeit mit viel Gefühl: Restauratorin Alicia Pasternak bei Befund-Untersuchungen im südlichen Seitenschiff. Erst wenn die baugeschichtlichen Umstände klar sind, wird über weitere Schritte entschieden.
© Foto: Gerd Markert

„Dennoch“, zeigt Thon auf den nördlichen Teil des Kirchenschiffs, „der Sockel ist nach wie vor feucht.“ Der alte, längst entfernte Estrich sei grün gewesen vor Feuchte. Die Kirche wurde auf eiszeitlichem Geschiebemergel gebaut. Und der hält das Wasser – zum Leidwesen der Sanierer bis heute. Die zusätzlich zu den Baugrunduntersuchungen angelegten Feuchteprofile haben es belegt.

„Wir brauchen daher eine qualifiziertere Abdichtung des Fußbodens gegen die Staunässe von Norden“, erklärt Manfred Thon: 30 Zentimeter Glasfaser-Schichtung aus Recycling/Altglas, gleichermaßen Wärmedämmung und Kapillarbrechung gegen den Wasseraufstieg. Für die Tragfunktion leicht verdichten und dann 18 Zentimeter Fußbodenaufbau.

Das ist nicht das letzte zu lösende Problem im Zuge der Sanierung. Auf einer Konstruktion abgefangen ist die Kanzel. Ihr Sockel wartet an anderer Stelle. Elf Zentimeter Differenz müssen überbrückt werden, weil der bisherige Hartsandsteinfußboden entfällt und der darunter vorgefundene Ziegelboden künftig den Abschluss bildet. „Die Platten wollen wir auch weitgehend wiederverwenden“, sagt Manfred Thon.

Und da sind die Fundamente, die um Pfeiler im Schiff angelegt werden mussten, weil der Ursprungsbau kürzer ausgelegt war. Oder die schwierigen Nacharbeiten an Fehlstellen in den Fensterlaibungen, da Bleiglasfenster im 18./19. Jahrhundert ohne Rahmen eingebaut wurden. Oder die für Heizzwecke später eingefügten Schornsteine, wofür schon mal einfach eine halbe Rippe des Seitenschiffs geopfert wurde. Sie muss so wiederhergestellt werden, dass Wölbung und Spannung stimmen.

Auch wenn es scheint, der Kirchenboden sei stetig aufgerissen, die Arbeiten ungeordnet, folgen diese einer von Thon mit Bauleuten, Archäologen und Restauratoren sowie Bauherren abgestimmten Systematik. Erst war der Chor eingerüstet, die Restauratoren konnten auf dem Arbeitsboden in erster Etage agieren und im Schiff wurde vom Fußboden Schicht um Schicht abgetragen. Dann wurde gewechselt: Gerüst ins Schiff, wo inzwischen ein Rohfußboden das Aufstellen ermöglichte, und im Chor offenbart der Untergrund seine Geheimnisse...

Alles braucht seine Zeit: das Abwaschen der Farbe von Gewölbe und Wänden, das Reinigen, das Sanieren der Risse, danach die Ausmalung. Dass der Weihnachtsgottesdienst hier stattfinden kann, ist keineswegs gewiss. Sicher aber ist, dass vor jedem Sommerkonzert (auch heute) eine Führung im Gotteshaus Auskunft über den aktuellen Stand gibt.

Im Untergrund verborgen

MOZ.de vom 29. Juli 2018

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