Brüsenhagen

Turm steht auf Jahrzehnte sicher

Während die Sanierungsarbeiten am Brüsenhagener Kirchturm inzwischen weitgehend abgeschlossen sind, gehen in der Frage nach einem künftigen Anbau die Meinungen deutlich auseinander. Die einen wünschen sich eine vollständige Dorfkirche zurück, die anderen warnen vor den Kosten.

So sah die Brüsenhagener Kirche aus, bis in den 1970er Jahren ihr Schiff wegen Baufälligkeit abgerissen wurde.
Quelle: Archiv
 
Äußerlich ist der Brüsenhagener Kirchturm fertig saniert. Innen bleibt für den Förderverein um Vorsitzenden Rouven Obst noch einiges zu tun
Quelle: Alexander Beckmann
 
Vereinsvorsitzender Rouven Obst rechnet noch mit viel Arbeit. Auch die Balken im Turmraum sollen wieder freigelegt werden.
Quelle: Alexander Beckmann

Brüsenhagen. Vom „Charme“ der 70er Jahre ist im Brüsenhagener Kirchturm kaum noch etwas zu finden. Er ist alles, was von der Fachwerkkirche übrig blieb, nachdem das Schiff vor rund 40 Jahren wegen Baufälligkeit abgetragen worden war. Damals hatte man den Raum unter dem Turm für die kirchliche Nutzung hergerichtet. Eine doch sehr improvisierte Wand schloss ihn nach außen hin ab.

Doch momentan ist das Innere des Bauwerks einfach nur leer, ein Rohbau. Dafür macht der Turm äußerlich schon wieder richtig was her. Die im vergangenen Sommer begonnene Sanierung von Dach, Tragwerk und Fassade ist beendet. Statt der einfachen Tür und des Fensters, die eher zu einer Werkstatt zu passen schienen, führen nun drei große Terrassentüren ebenerdig nach draußen.

Rouven Obst, Vorsitzender des „Fördervereins Kirche in Brüsenhagen“ ist soweit ganz zufrieden mit der Arbeit. „Das mit der Planung und den Handwerkern ist alles sehr gut gelaufen. Das war eine sehr schöne Baustelle.“ Aber Rouven Obst weiß auch: „Hier muss noch einiges passieren. Wir wollen am Tag des offenen Denkmals im Herbst ein Fest veranstalten. Der Raum muss bis dahin fertig sein.“

Fest am Tag des offenen Denkmals

Der Verein, der die Turmsanierung unter anderem mit Spendenaktionen um rund 10 000 Euro voranbrachte, plant zum Abschluss der Arbeiten für Sonntag, 9. September, eine Veranstaltung mit Andacht, Bläsern, Chor und Kaffeetafel.

Und es wird weiter Geld gesammelt. Rund 84 000 Euro standen für das Bauvorhaben ursprünglich zur Verfügung. Kirchenkreis, Landeskirche und vor allem das Leaderprogramm leisteten Beiträge. Ein bisschen was davon ist noch übrig. „Die Schäden am Turm waren nicht so massiv, wie wir befürchtet hatten“, sagt Rouven Obst. Klar ist aber auch: „Das Geld wird für drinnen nicht ganz reichen. Da werden wir einiges selbst machen müssen.“

Die Kunst soll zurückkehren

Der Termin dafür steht: der Tag des offenen Denkmals. „Und im Oktober läuft dann ja auch die Leihgabe ans Museum in Wusterhausen aus. Die Figuren und Bildtafeln wollen wir dann natürlich wieder hier zeigen.“ Seit dem vergangenen Mai war die Brüsenhagener Kirchenkunst, die bis ins späte 17. Jahrhundert zurückreicht, Gegenstand einer Sonderausstellung des Wegemuseums.

Schon seit Jahrzehnten ist ein weiterer Teil der Ausstattung des einstigen Brüsenhagener Kirchenschiffes in der Kyritzer Marienkirche zu sehen: Der gotische Achatiusaltar, ein Flügelaltar aus dem Mittelalter steht dort im Seitenbereich. Von der Idee, dass das Kunstwerk irgendwann einmal wieder ins Dorf zurückkehrt, hat sich Rouven Obst noch nicht ganz verabschiedet. „Es ist schon so, dass wir gerne wieder ein Kirchenschiff hätten.“

Der Pfarrer ist eher skeptisch

Doch dazu gibt es durchaus unterschiedliche Meinungen. Der für Bürsenhagen zuständige Pfarrer Christian Ruch aus Dahlhausen beispielsweise hat zwar Verständnis für so einen Wunsch, hegt aber auch Bedenken. „Die Zahl der Gemeindeglieder wird nicht größer. Für die normalen Veranstaltungen, Gottesdienste und so weiter reicht der Turmraum aus, der ungefähr 30 Plätze umfasst“ stellt der Pfarrer klar und merkt an: „Was ganz neu gebaut wird, muss natürlich auch wieder erhalten werden.“

Eine Geldfrage sei so eine Idee ja auch immer. Allein in seinem Pfarrbereich, so Ruch, warteten noch vier Kirchen auf eine umfassende und kostspielige Sanierung. „Bei allem Engagement kommt es darauf an, vorhandene Mittel gerecht und zukunftsorientiert einzusetzen.“

Dem möchte der Vorsitzende des Brüsenhagener Fördervereins nicht widersprechen. „Ich glaube nicht, dass wir so etwas in den nächsten fünf Jahren oder so angehen. Aber wir haben die neue Wand schon so gestaltet, das man da mal was ansetzen könnte. Wenn unser Verein in zehn Jahren noch aktiv sein sollte, wäre ich der Letzte, der sich gegen so ein Vorhaben stellt.“

Erinnerung an das Kirchenschiff

Im Zuge der jüngsten Bautätigkeit waren im Boden am Kirchturm die Spuren des alten Kirchenschiffs zutage getreten. Die Vereinsmitglieder haben begonnen, die erhalten gebliebenen Bodenfliesen zu retten. Mit ihnen soll nun der Boden im Turmraum gestaltet werden. Auch der große Birkenbaum, die in den vergangenen Jahrzehnten mitten in der ehemaligen Kirche mächtig in die Höhe gewachsen ist, soll gefällt werden. Außerdem gibt es Überlegungen, die einstige Form des Schiffs auf dem Gelände irgendwie wieder nachvollziehbar zu machen.

Doch das ist sozusagen schon die Kür. Für die Pflicht hält Rouven Obst vor allem den Turm: „Meine Priorität ist es, dass wir das hier jetzt erst einmal fertig bekommen und in den nächsten Jahren vernünftig nutzen.“ Ein bisschen herumgehorcht hat er aber doch, was einen Neubau am Turm angeht: „Der Denkmalschutz sagt: Wenn, dann müsste man etwas richtig Modernes machen.“

Von Alexander Beckmann

Märkische Allgemeine vom 22. Februar 2018

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