Die Dorfkirche von Rieben (Potsdam-Mittelmark)

 
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Fotos: Büro Götz & IlsemannGroßbildansicht

Im Rahmen des 27. Evangelischen Kirchbautages in Rostock wurden am 23. Juni 2011 die Kirchengemeinde Rieben und das Architekturbüro Götz & Ilsemann / Beelitz mit einem der von der Stiftung zur Bewahrung kirchlicher Baudenkmäler (KiBa) ausgeschriebenen "Preise für innovative Nutzung von Kirchen" ausgezeichnet.

Das nur wenige Kilometer südöstlich von Beelitz gelegene Straßenangerdorf Rieben wird erstmals in einer Lehnsurkunde von 1335 erwähnt. Nach alten Aufzeichnungen beschäftigten sich die Einwohner neben dem Ackerbau mit Bienenzucht und Weinbau. Auch eine Windmühle war vorhanden. Bis zur ersten protestantischen Visitation 1539 war Rieben Sitz eines Pfarrers. Nach der Reformation wurde es Filiale zur Kirche in Elsholz und wird heute von Stücken aus pfarramtlich betreut.

Anstelle eines Vorgängerbaus, über dessen Aussehen nichts mehr bekannt ist, entstand die heutige Kirche 1813. Der große verputzte Saalbau mit dem eleganten Westturm ist damit eines der frühesten Beispiele einer romantischen Neugotik in Brandenburg. Anbauten auf der Ost- und der Südseite entstanden 1885. Zu dieser Zeit wurde auch der Innenraum neugestaltet.

Die nächste Sanierung erfolgte im Jahr 1970. Damals erhielt das Riebener Kirchengebäude einen grauen Zementputz, der dem Bauwerk schließlich auch zum Verhängnis wurde. Im Jahr 2001 wurde großflächiger Befall mit dem Echten Hausschwamm entdeckt. Um die dafür verantwortliche Nässe aus dem Mauerwerk zu bekommen und ihm wieder Gelegenheit zum "Atmen" zu geben, beteiligten sich zahlreiche Riebener an Arbeitseinsätzen zur Entfernung des schädlichen Betonputzes. Das durch den Schwammbefall stark geschädigte Gestühl konnte nicht gerettet werden. Altar und Kanzel wurden vorübergehend ausgelagert. Zugleich wurde durch das Beelitzer Architekturbüro Götz & Ilsemann ein umfassendes Sanierungskonzept erstellt.

Bereits damals kam die Idee auf, die Ortsgemeinde einzubeziehen und die Riebener Kirche zum kirchlichen, kommunalen und sozialen Zentrum des 350-Einwohner-Dorfes auszubauen. 2006 konnten in einem ersten Bauabschnitt das Dach des Kirchenschiffes und die Fassade saniert werden. Ein Jahr später folgte die Instandsetzung des Kirchturmes, der bei dieser Gelegenheit auch seinen historischen spitzen Turmhelm wieder bekam, der in den siebziger Jahren wegen schwerer Schäden und mangelnder Baukapazitäten abgetragen werden musste.

Im Jahr 2008 gründete sich der Förderverein "Treffpunkt Leben", der bis heute über fünfzig Mitglieder in Rieben und darüber hinaus zählt. Aus dem EU-Förderprogramm "Integrierte Ländliche Entwicklung" wurden schließlich Fördermittel bewilligt und auch der nötige Eigenanteil konnte aufgebracht werden. In den nächsten Wochen beginnen endlich auch die umfangreichen Arbeiten zur Sanierung und zum Ausbau des Innenraumes. Für ausschließlich sakrale Zwecke wird zukünftig nur noch das vordere Drittel des Kirchenschiffes genutzt, während abgetrennt durch eine Glaswand im hinteren Teil ein Raum für Konzerte, Ausstellungen, Lesungen, Feste und ähnliches entsteht. Für größere Veranstaltungen der Kirchengemeinde lässt sich die Trennwand problemlos öffnen. Durch Verschiebung der Empore und der Orgel entsteht im Obergeschoss ein Büro, in dem der ehrenamtliche Ortsvorsteher in Zukunft seine Sprechstunden abhalten wird. Nach längeren Diskussionen mit den Behörden der Denkmalpflege einigte man sich darauf, eine für die erweiterte Nutzung notwendige Teeküche sowie den Toiletten- und Sanitärbereich nicht wie geplant in den Kirchturm zu integrieren, sondern dafür einen modernen Anbau an das Kirchengebäude zu schaffen. Die zukünftige Nutzung und die Verteilung der Unterhaltungskosten des Gebäudes wurden durch einen Vertrag zwischen Kirchengemeinde und Kommune langfristig geregelt.

Das Konzept, weltliches und geistliches Zentrum unter einem (Kirchen-) Dach durch Um- bzw. Einbauten zu vereinen, lässt sich nicht in jedem historischen Kirchenraum umsetzen. Trotzdem könnte das Projekt in Brandenburg Modellcharakter bekommen. Die immer kleiner werdenden Kirchengemeinden allein können die Erhaltung und Nutzung ihrer Kirchengebäude allein nicht mehr bewältigen. Insofern wird auch der Förderkreis Alte Kirchen die weitere Entwicklung in Rieben mit Interesse verfolgen. Allen beteiligten Akteuren wünschen wir ein gedeihliches Miteinander zum Wohle der Riebener Dorfkirche!

Weitere Informationen: Verein Treffpunkt Leben e.V.; Holger Isecke; Dorfstr. 19; 14547 Beelitz / OT Rieben


Zum Weiterlesen:
Märkische Allgemeine vom 30. November 2011: Richtkrone grüßt Kirchenhelm
Potsdamer Neueste Nachrichten vom 30. November 2011: Riebener Kirche wird zum Dorfzentrum
Märkische Allgemeine vom 21. September 2012: Rieben feiert 650 Jahre und sein saniertes Gotteshaus
You Tube vom 19. September 2012: 650 Jahre Rieben
You Tube vom 01. Oktober 2012: Rieben - aus der Kirche wurde ein Gemeindezentrum
Märkische Allgemeine vom 18. März 2013: Kur für märkische Kirchen


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