| Die Dorfkirche von Pessin (Landkreis Havelland) |
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| Quelle: Panoramio | ![]() | |
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| Foto: Ulrich Luig | ![]() | |
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| Foto: Sven Sengebusch | ![]() | |
Der Schlüssel, den die Petrusfigur am Kanzelaltar der Pessiner Kirche scheinbar mühelos in der rechten Hand trägt, ist fast halb so groß wie Petrus selbst. Man könnte meinen, der Apostel besitzt nicht nur den "Schlüssel zum Himmelreich", sondern lädt auch - als Hüter und Schlüsselbewahrer - zum Besuch des Gotteshauses in dem westhavelländischen Dorf zwischen Nauen und Rathenow ein.
In kaum einem anderen märkischen Dorf war der Grundbesitz derart zersplittert wie in Pessin. Nach unzähligen Erbteilungen, Verkäufen, Verpfändungen und Rückkäufen wurden in einem Landreiterbericht von 1608 acht Rittersitze, sieben davon im Besitz der Familie von Knoblauch, beschrieben. Einige dieser Rittersitze dürften kaum die Bewohner ernährt haben, da sie über weniger Hufen als eine ordentliche Bauernstelle verfügten. Noch heute sind in Pessin, allerdings zum größten Teil in sehr desolatem Zustand, drei Herrenhäuser erhalten, darunter das vermutlich älteste Brandenburgs, dessen Kernbau bereits 1419 errichtet worden sein soll.
Der in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts errichtete Feldsteinbau der Kirche wurde 1739 nach Osten hin in Backstein erweitert. Um den älteren Teil des Kirchenschiffes dem breiteren Anbau anzupassen, wurden sowohl auf der Süd- wie auf der Nordseite hölzerne Lauben errichtet. Der vermutlich bereits bauzeitliche Turm wurde - anders als das Kirchenschiff - ebenfalls in Backstein ausgeführt.
Der Innenraum wird geprägt durch die umlaufende Empore, wobei unter dem südlichen Teil eine Winterkirche abgetrennt wurde, die zugleich als Gemeinderaum genutzt wird. In den Brüstungsfeldern sind Wappenschilde der Familie von Knoblauch sowie ihrer angeheirateten Ehefrauen erhalten.
Den Kanzelaltar mit kräftigem barocken Akanthusschmuck schuf im Jahr 1700 Tischlermeister Witte aus der Stadt Brandenburg. Neben den Skulpturen Petrus und Paulus, Johannes und Matthäus ziert auch eine Darstellung des Moses den Altaraufbau, gleichsam den Zusammenhang von Altem und Neuem Testament, von Gesetz und Evangelium aufzeigend.
Unübersehbar an der Pessiner Kirche sind jedoch zahlreiche Bauschäden, die letzten größeren Instandsetzungsmaßnahmen an dem Gebäude fanden 1939 statt. Unter der Nordempore wurde der Echte Hausschwamm festgestellt, der auf das übrige Inventar überzugreifen droht. Um sie vor Schwammbefall zu schützen, wurde die Orgel bereits ausgebaut und sicher eingelagert. Dringend saniert werden muss auch die Kirchendecke. In den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts notdürftig angebrachte Sperrholzplatten, die die Schäden mehr kaschierten als behoben, lösen sich nach und nach.
Zu allem Überfluss brach Anfang November des letzten Jahres im Eingangsbereich der Fußboden großflächig ein, so dass die Kirche vorläufig gesperrt werden musste. Es spricht für die Pessiner, dass mit Hilfe von Spenden, erheblichen Eigenleistungen und der Unterstützung einer örtlichen Baufirma zeitnah Abhilfe geschaffen werden konnte; der Gottesdienst am heiligen Abend wurde bereits wieder in der Pessiner Kirche gefeiert.
Anfang dieses Jahres gründete sich mit tatkräftiger Unterstützung des Förderkreises Alte Kirchen der Förderverein Dorfkirche Pessin, der die Instandsetzung des gesamten Gebäudes und seiner Ausstattung nun zielgerichtet in Angriff nehmen möchte. Bereits im Frühjahr soll mit der Bekämpfung des Hausschwamms begonnen werden. Zugleich möchte die Initiative an "der kulturellen Entwicklung der Pessiner Kirche und der kulturellen Einbindung der Kirche in die dörfliche Gemeinschaft" mitwirken. Für weiterreichende Nutzungen der Kirche ist ein umfassendes Konzept bereits fertiggestellt worden.
Petrus mit dem großen Schlüssel wird den Fortgang der Bemühungen um die Pessiner Kirche sicher wohlwollend beobachten und freut sich bereits jetzt über Besuch in der Pessiner Kirche.
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