| Die Kirche von Alt Krüssow (Landkreis Prignitz) |
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Die heilige Anna – Mutter der Maria und damit Großmutter Jesu – war eine der beliebtesten Schutzheiligen des späten Mittelalters. Von ihrer Fürbitte erhoffte man sich die Linderung unter anderem von körperlichen Gebrechen und Gliederschmerzen.
Ein wundertätiges Annenbild soll sich auch in der Alt Krüssower Kirche befunden haben, so dass das kleine Dorf in der Nähe von Pritzwalk neben Wilsnack und Heiligengrabe zum dritten bedeutenden Wallfahrtsort in der Prignitz wurde.
Von den Pilgerströmen vergangener Zeiten und ihren Almosen kündet noch heute die eindrucksvolle Wallfahrtskirche in Alt Krüssow, ein spätgotischer Saalbau mit einer nördlich angefügten Kapelle. Begonnen wurde mit der Errichtung des Kirchenschiffes als Feldsteinbau vermutlich in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Eine überlieferte Inschrift wies auf den Havelberger Bischof Johann von Schlabrendorf (1501 – 1520) als Stifter hin. Während seiner Amtszeit begann die zweite Bauphase, die in der erheblich kostspieligeren Backsteintechnik erfolgte und sich stilistisch an der Wilsnacker Wunderblutkirche orientierte.
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Der ehemalige Hauptaltar, der in prächtiger, figurenreicher Darstellung Szenen aus dem Leben der heiligen Anna zeigt, befindet sich heute als Leihgabe in der Stadtpfarrkirche von Pritzwalk. Vor Ort erhalten blieb in der Seitenkapelle ein weiterer Schnitzaltar, der ebenfalls eine Annendarstellung zum Mittelpunkt hat. Eine in der Nordwand der Kapelle befindliche farblich gefasste Nische mit Wandmalereien könnte eine Kopie des "Heiligen Grabes" gewesen sein.
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Trotz seiner schlichten Ausmalung vom Ende des 19. Jahrhunderts bietet der gewölbte Kirchenraum noch heute einen imposanten Anblick, der jedoch durch massive Bauschäden getrübt wird. Durch die zerbrochenen Fensterscheiben pfeift der Wind und an vielen Stellen bröckelt der Putz.
Die gravierendsten baulichen Mängel jedoch sind für den Laien nicht auf den ersten Blick auszumachen: Die Dachkonstruktion weist konstruktive Schäden auf, Schwellen sind verfault. Die Gewölbekappen sind durch eindringende Feuchtigkeit schwer geschädigt. Risse in den Längswänden zeugen von statischen Problemen. Das Dekor des beeindruckenden Ziergiebels bröckelt und bedarf dringend einer Sicherung. Für den nördlichen Kapellenanbau besteht Einsturzgefahr.
In Alt Krüssow leben heute nicht einmal mehr einhundert Menschen. Für die kleine Kirchengemeinde ist das Gebäude inzwischen viel zu groß. Mit der Bauunterhaltung ist sie allein überfordert. Trotzdem herrscht Konsens darüber, das wertvolle Baudenkmal zu erhalten und es der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Im August 2003 trafen sich in der Nordkapelle etwa dreißig Interessierte, um darüber zu beraten, wie der fortschreitende Verfall der Kirche aufgehalten werden kann. Sie gründeten den Förderverein Wallfahrtskirche Alt Krüssow e.V., der in seiner Satzung "die Rettung des historischen Gebäudes vor dem Verfall zum Zweck einer dauerhaften Nutzung" als Hauptziel festgeschrieben hat.
Inzwischen wurde ein detailliertes Schadensgutachten erstellt. Die ersten bescheidenen Sicherungsmaßnahmen begannen. Regelmäßig finden Konzerte und andere Veranstaltungen statt. Besuchergruppen kommen nach Alt Krüssow. Der Dornröschenschlaf der ehemaligen Wallfahrtskirche scheint beendet. Kirchengemeinde und Förderverein werden jedoch noch einen langen Atem brauchen, bis sämtliche Schäden an dem Kirchengebäude beseitigt sind.
Weitere Informationen über: Uwe Dummer; Tel.: (0 33 95) 70 08 02
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